Die Drei vom Main

Es gab dieses Mal eınıges an Strecke zurückzulegen auf meıner Herbsttour zu den Whiskybrennereien.Und doch war der Weg fast wie an einer Schnurgezo-
durch den Spessart bis zum Steigerwald - mi tdem Main als Blick aus dem Fenster. Ob er die einzige Konstante bildete ?
Sicher war nur eins: Alle drei Brenner, die ich besuchte, produzieren Whisky im bescheideneren Umfang.

Fortsetzung der Spurensuche. Von Heınfrıed Tacke.

Kriftel liegt nicht weit von Frankfurt. Das „Navi“ rechnete 18 Kilometer aus. Ein bisschen Sorge packte mich. Nicht, dass ich in einer Vorstadt landete mit Hochhäusern für Menschen, die in der Ban-
kenmetropole zwar ihr Geld verdienen, aber lieber auswärts leben bzw. schlafen. Die Furcht löste sich schnell in Luft auf. Denn kaum lag Frankfurt hinter mir, geriet ich bereits in welligeres Gelände. Der Taunus machte sich bemerkbar. Und mit ihm gepflügte Äcker, hier und da gar ein Gehöft und immer mehr Hänge mit Obst, allen voran mit Äpfem. Allmählich erklärte sich mein erstes Ziel: „Obsthof am Berg". Er befindet sich inzwischen in den jungen Händen von Holger und Ralf Henrich. Die Großeltern begannen einst mit dem gewerblichen Obstanbau. Heute ist man ein stattlicher Betrieb und vermarktet längst selbst - mit eigenem Hofladen der mich staunen macht ob seiner Größe und seines Angebots. Ich entdecke eine Menge Frisches, vor allem eigene Landprodukte, viele selbst gekelterte Säfte, Weine und dazwischen eigene Brände und Liköre. '


NEUE GENERATION - NEUE PLÄNE


Die Sache mit der Brennerei war hier lange nur ein Nebenerwerb. Der Vater der beiden hatte damit 1983 begonnen - auf Basis eines Abfindungsbrennrecht, um im kleinen Stil auch auf diese Weise Obst zu verarbeiten
und zu Geld machen zu können. Mit den Hoferben auf Sicht verhielt es sich da schon anders. Sie reizte für eine eigene Zukunft auf dem Hof besonders der Ausbau der Brermerei. Der Vater stimmte diesen Plänen nicht
nur zu. Den Söhnen hält er gar den Rücken dafür frei, indem er weiter die Felder bewirtschaftet- fraglos die glücklichste aller Fügungen einer Nachfolge. Seit 2005
steht hier so nun eine Verschlussbrennerei, mit der die beiden Brüder nun ihre eigenen Ambitionen verfolgen konnten - auch für einen Whisky aus ihren Händen.
Heimlich geliebäugelt hatten sie damit schon früher...

„GILORS“ WHISKY: DIE IDEE VOM EIGENEN GOLDENEN WASSER


Doch von der Idee bis zur Realisation dauert es bekanntlich Iahre, inklusive Recherchen und Versuche. 2008 maischten sie erstmal Gerstenmalz ein. Es waren gerade einmal 400 Kilo. Inzwischen hat sich das verstetigt. In der Zeit vom Frühjahr bis Iuli wird hier Whisky gebrannt - aus rund sechs bis acht Tonnen Malz im Iahr. Es wäre nun völlig irreführend, dieses Tun als ihr Kerngeschäft zu beschreiben. Es ist, man muss nur einmal den Blick über Hof und Betrieb schweifen
lassen, nur ein Projekt von vielen. Doch eines, das die zwei als Brüder - auch im Geiste - mit großer Leidenschaft verfolgen. Der eine ist eher der Macher vor Ort, er andere eher der, der Konzepte denkt und Kontakte pflegt. Denn sie tauschen sich konsequent aus, gerade auch mit Menschen, die schon lange im Whiskybusiness sind. Sie holen sich ihren Rat und ihre Expertise. Insofern steht auch ihre Linie bereits - trotz Newcomer Status: Sie machen nur einen Malt Whisky, den sie
„Gilors" tauften für „Goldenes Wasser". Und sie lassen ihn in aller Regel in zwei Fasstypen reifen: Ex-Fino-Sherry sowie Ex-Portwein. Typ wie Iahrgang wird für sich ausgebaut und abgefüllt. Bewusst gibt es keine Single Cask Abfüllungen. Der Whisky soll Iahr für Iahr wieder erkennbar bleiben. Ausnahmen bilden nur kleine Sonderabfüllungen wie ihr erstes „Islay Cask Finish” - die jüngste, nun vier Iahre alte Version vom „Gilors". Er ist ihrer ganz persönlichen Vorliebe für torfgerauchten Whisky geschuldet. Und weil die so groß ist, haben die zwei längst Torfınalz aus Schottland besorgt, um es selbst zu brennen. Vom ersten Destillat konnte ich bereits eine anderthalb Jahre alte Probe aus dem ,Fass verkosten.

„UNSERE OMA WÜRDE DAS BESTIMMT
GUT FINDEN“


Befragt nach den Zielen für ihren Whisky, kommt eine kaum überraschende Antwort: „Wir wollen erst einmal älter werden." Langsam füllt sich dafür ihr Fasslager. Die beiden Brüder machen aber keinen Hehl daraus, dass sie schon jetzt Geld damit verdienen müssen. Mit der Straußenwirtschaft, die sie seit einigen Jahren im Sommer im Hofgarten betreiben und sehr gut ankommt, machen sie so manchen Euro, der direkt in den Kauf neuer Fässer fließt. Als wir es uns anschauen, kommt es Holger Henrich ganz spontan heraus: „Unsere Oma würde das bestimmt alles gut finden. die hat immer gerne neues aisprobiert."

 

Als Nachfolger von Großvater und Vater Henrich verleihen die beıden Bruder Ralf (I)
und Holger (r.) dem „Obsthof am Berg“ eine neue Handschrift- u a mıt ıhrem eige-
nen Single Malt Whisky „Gilors“.

 

 QUELLE: Der Whiksy Botschafter, Nr. 1 - 2015 Winter , Heinfried Tacke